• Ich lese gerne immer mal wieder was über die "Großen" Nationen und deren Einstellung zum Rest der Welt. Einige Sachen hebe ich dann schon mal auf wenn ich es für lesenswert halte.
    Unter anderen so etwas.


    Die nächsten Kreuzzüge



    Vor vielen Jahren las ich das Buch " Der stille Amerikaner" von Graham Greene. Seine Hauptfigur ist ein edelgesinnter, naiver, junger amerikanischer Geheimdienstler in Vietnam. Er hat von der Komplexität dieses Landes keine Ahnung, will aber seine Mißstände beseitigen und Ordnung schaffen. Die Folgen sind verheerend.


    Ich habe das Gefühl, daß dies jetzt im Libanon geschieht. Die Amerikaner sind nicht so edelgesinnt und nicht so naiv. Weit davon entfernt. Aber sie sind sehr bereit, in ein fremdes Land zu gehen, seine Komplexität zu ignorieren, und in ihm mit Gewalt Ordnung, Demokratie und Freiheit einzuführen.



    Bürgerkrieg: Libanon. Der Libanon ist ein Land mit einer besonderen Topographie: es ist ein kleines Land mit hohen Bergketten und isolierten Tälern. Deshalb zog es in der Vergangenheit Gemeinschaften verfolgter Minderheiten an, die hier Zuflucht fanden. Heute leben dort neben- und gegeneinander vier ethno-religiöse Gemeinschaften: Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen. Innerhalb der christlichen Gemeinschaft gibt es noch verschiedene Untergemeinschaften, wie die Maroniten und andere alte Sekten, die einander größtenteils feindlich gesinnt sind. Die Geschichte des Libanon ist voll von gegenseitigen Massakern.


    Solch eine Situation lädt zur Einmischung durch Nachbarn und ausländische Mächte ein, jeder wünscht, zum eigenen Vorteil in diesem Topf herumzurühren. Syrien, Israel, die Vereinigten Staaten und Frankreich, der frühere Kolonialherr, alle sind daran beteiligt.


    Genau vor 50 Jahren gab es zwischen den Führern Israels eine geheime, hitzige Debatte. David Ben-Gurion (damals Verteidigungsminister) und Moshe Dayan (der Stabschef der Armee) hatten eine brillante Idee: den Libanon zu überfallen, einen " christlichen Führer" als Diktator einzusetzen und das Land in ein israelisches Protektorat zu verwandeln. Moshe Sharett, der damalige Ministerpräsident, griff diese Idee leidenschaftlich an. In einem langen, ausführlich darlegendem Brief, der für die Geschichte bewahrt wurde, zog er die totale Unkenntnis der Befürworter dieser Idee angesichts der unglaublich zerbrechlichen Komplexität der libanesischen gesellschaftlichen Struktur ins Lächerliche. Jedes Abenteuer würde in einer Katastrophe enden, warnte er.


    Zu jener Zeit siegte Sharett. Aber 27 Jahre später taten Menachem Begin und Ariel Sharon genau das, was Ben-Gurion und Dayan vorgeschlagen hatten. Das Ergebnis war genau so, wie Sharett es vorausgesehen hatte.


    Jeder, der jetzt den amerikanischen und israelischen (es gibt keinen Unterschied) Medien folgt, gewinnt den Eindruck, daß die gegenwärtige Situation im Libanon einfach sei: es gibt zwei Lager, " die Unterstützer Syriens" auf der einen Seite und die " Opposition" auf der anderen. Da gibt es einen " Beiruter Frühling" . Die Opposition ist eine Zwillingsschwester der gestrigen ukrainischen Opposition, und loyal imitiert sie ihre Methoden: Demonstrationen gegenüber vom Regierungsgebäude, ein Meer von geschwungenen Fahnen, farbige Schals und am wichtigsten: hübsche Mädchen in der ersten Reihe.


    Aber zwischen der Ukraine und dem Libanon gibt es nicht die geringste Ähnlichkeit. Die Ukraine ist ein " einfaches" Land: der Osten tendiert zu Rußland, der Westen zu Europa. Mit amerikanischer Hilfe gewann der Westen.


    Im Libanon sind alle verschiedenen Gemeinschaften in Aktion. Jede für ihre eigenen Interessen, jede verschwört sich gegen die andere um sie auszutricksen, vielleicht sie bei einer günstigen Gelegenheit anzugreifen. Einige der Führer sind mit Syrien verbunden, einige mit Israel, alle versuchen, die Amerikaner für ihre Zwecke auszunützen. Die hübschen Bilder der jungen Demonstranten, die in den Medien so hervorstehen, haben keine Bedeutung, wenn man nicht weiß, welche Gruppierung hinter ihnen steht.


    Es ist erst 30 Jahre her, daß all diese Gruppierungen einen schrecklichen Bürgerkrieg begonnen hatten, und sie sich alle gegenseitig umbrachten. Die christlichen Maroniten wollten das Land mit Hilfe Israels übernehmen, wurden aber von einer Koalition der Sunniten und Drusen besiegt (Die Schiiten spielten damals keine bedeutende Rolle). Die von der PLO geführten palästinensischen Flüchtlinge, die eine Art fünfte " Gemeinschaft" bildeten, schlossen sich dem Kampf an. Als die Christen in Gefahr waren, überrannt zu werden, riefen sie die Syrer zu Hilfe. Sechs Jahre später fielen die Israelis mit dem Ziel ein, die Syrer und die Palästinenser gemeinsam zu vertreiben und einen christlichen starken Mann (Basheer Jumal) einzusetzen.


    Wir brauchten 18 Jahre, um aus dem Morast wieder herauszukommen. Unsere einzige Errungenschaft war, die Schiiten in eine beherrschende Macht zu verwandeln. Als wir in den Libanon einmarschierten, empfingen uns die Schiiten mit Reis und Süßigkeiten, da sie hofften, wir würden die sie beherrschenden Palästinenser vertreiben. Ein paar Monate später, als ihnen klar wurde, daß wir nicht die Absicht hatten, sie zu gehen, begannen sie, auf uns zu schießen. Sharon ist der Geburtshelfer der schiitischen Hizb Allah.


    Es ist schwer vorauszusehen, was geschehen wird, wenn die Syrer in das amerikanische Ultimatum einwilligen und den Libanon verlassen. Es gibt keine Anzeichen, daß die Amerikaner sich mit der Schaffung neuer Lebensstrukturen für die libanesischen Gemeinschaften befassen. Sie sind damit zufrieden, über " Freiheit" und " Demokratie" zu faseln, als ob ein Mehrheitsvotum ein für alle akzeptables Regime schaffen könnte. Sie verstehen nicht, daß " Libanon" ein abstrakter Begriff ist, da für die meisten Libanesen die Zugehörigkeit zu ihrer Gemeinschaft bei weitem wichtiger ist als Loyalität zum Staat. In solch einer Situation bedeutet auch eine internationale Militärtruppe keine Hilfe.


    Das Wiederaufflammen des blutigen Bürgerkrieges ist leicht möglich.



    Bürgerkrieg: Irak. Wenn im Libanon ein Bürgerkrieg ausbricht, wird er nicht der einzige der Region sein. Im Irak ist solch ein Krieg - wenn auch fast im Geheimen - bereits in vollem Gange.


    Die einzige effektive Militärtruppe im Irak, abgesehen von der Besatzungsarmee, sind die kurdischen " Peshmarga" , (" Jene, die dem Tode gegenüberstehen" ). Die Amerikaner benutzen sie immer dann, wenn sie gegen die Sunniten kämpfen. Sie spielten in der Schlacht von Fallujah, eine große Stadt, die fast vollständig zerstört, ihre Bewohner getötet oder vertrieben wurden, eine bedeutende Rolle.


    Die kurdischen Streitkräfte führen jetzt einen Krieg gegen die Sunniten und Turkmenen im Norden des Landes, um die ölreichen Gebiete und die Stadt Kirkuk unter ihre Kontrolle zu bringen, und um die sunnitischen Siedler, die dort von Saddam Hussein eingeschleust worden waren, zu vertreiben.


    Wie kann ein solcher Krieg von den Medien praktisch ignoriert werden? Ganz einfach: alles wird unter den Teppich des " Krieges gegen den Terrorismus" gekehrt.


    Aber dieser kleine Krieg ist nichts, verglichen mit dem, was im Irak geschehen könnte, wenn die Zeit kommt, um die Zukunft des Landes zu entscheiden. Die Kurden fordern völlige Autonomie, anders gesagt " Unabhängigkeit" . Die Sunniten denken nicht im Traume daran, die Herrschaft der von ihnen verachtenden schiitischen Mehrheit zu akzeptieren, auch dann nicht, wenn es im Namen der " Demokratie" geschähe. Der Ausbruch eines vollwertigen Bürgerkrieges mag nur eine Frage der Zeit sein.



    Bürgerkrieg: Syrien. Wenn es den Amerikanern (mit unserer diskreten Hilfe Israel) gelingt, die regierende syrische Diktatur zu stürzen, gibt es überhaupt keine Sicherheit, daß sie durch " Freiheit" und " Demokratie" ersetzt wird.


    Syrien ist fast so zersplittert wie der Libanon. Es gibt eine starke drusische Gemeinschaft im Süden, eine rebellische kurdische Gemeinschaft im Norden, eine alawitische Gemeinschaft (zu der die Assadfamilie gehört) im Westen. Die sunnitische Mehrheit ist traditionell zwischen Damaskus im Süden und Aleppo im Norden geteilt. Das Volk hat sich aus Furcht vor dem, was nach einem Regimekollaps geschehen könnte, mit der Assad-Diktatur abgefunden.


    Es ist unwahrscheinlich, daß hier ein vollständiger Bürgerkrieg ausbrechen wird. Aber eine längere Phase von totalem Chaos ist ziemlich wahrscheinlich. Sharon würde darüber glücklich sein, obgleich ich mir nicht sicher bin, ob dies für Israel gut sein würde.



    Religiöser Eifer: Iran. Das Hauptziel der Amerikaner ist natürlich, die Ayatollahs im Iran zu stürzen. (Es ist schon etwas ironisch, daß zur selben Zeit die Amerikaner im benachbarten Irak den Schiiten zur Macht verhelfen, wobei diese darauf bestehen, das islamische Recht einzuführen).


    Der Iran ist eine viel schwerer zu knackende Nuß. Im Gegensatz zum Irak, Syrien und dem Libanon ist dies eine homogene Gesellschaft.


    Israel droht jetzt offen mit der Bombardierung der iranischen Atomeinrichtungen. Alle paar Tage sieht man auf unseren Fernsehschirmen die digital unkenntlich gemachten Gesichter der Piloten, die sich mit ihrer Bereitschaft rühmen, dies jederzeit zu tun.


    Der religiöse Eifer der Ayatollahs hat in letzter Zeit nachgelassen, wie dies bei jeder siegreichen Revolution nach einiger Zeit geschieht. Aber ein militärischer Angriff durch den " Großen Satan" (die USA) oder den " kleinen Satan" (uns Israel) kann den ganzen schiitischen Halbmond, Iran, Südirak und Südlibanon, in Brand stecken.



    Und auch hier. Sogar Israel wurde kürzlich Zeuge eines winzigen Bürgerkrieges.


    Im galiläischen Dorf Marrar, wo eine drusische und eine arabisch-christliche Gemeinschaft seit Generationen nebeneinander lebt, brach plötzlich eine blutige Auseinandersetzung aus. Es war ein richtiges Pogrom: die Drusen fielen über die Christen her, griffen sie an, setzten einiges in Brand und zerstörten. Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet. Die Christen sagen, daß die israelische Polizei (viel von ihnen sind Drusen) daneben stand. Der unmittelbare Grund für den Ausbruch: einige gefälschte Nacktfotos im Internet.


    Es ist leicht, einen Bürgerkrieg entweder aus Fanatismus oder unerträglicher Naivität, zu entfachen. George Bush, der (nicht-so-) stille Amerikaner, rennt in der Welt herum, um mit seinen Patentrezepten " Freiheit" und " Demokratie" hausieren zu gehen, in totaler Ignoranz hunderter Jahre von Geschichte. Es ist kaum zu glauben, aber er zieht seine Inspiration aus einem Buch unseres Nathan Sharansky, einem - gelinde gesagt - sehr kleinen Geist.


    Jedes menschliche Wesen und jedes Volk hat ein Recht auf Freiheit. Viele von uns haben für dieses Ziel ihr Blut vergossen. Demokratie ist ein Ideal, das jedes Volk für sich selbst realisieren muß. Aber wenn die Banner der " Freiheit" und " Demokratie" über dem Kreuzzug einer habgierigen und unverantwortlichen Supermacht flattern, können die Folgen katastrophal sein.

    Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

  • ...noch was in diese Richtung.


    Dies hat seinen Grund auch darin, dass es Interessengegensätze in der Region gibt, die sehr viel tiefer gehen als der Streit um die Anwesenheit von Ossama bin Laden und seiner Al-Qaida-Organisation. Afghanistan ist ein wichtiger Mosaikstein in der Energielandkarte des Mittleren Ostens und Zentralasiens. Dabei verfügt das Land selbst nur über geringe eigene Energieressourcen. Nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover betrug das Erdöl-Gesamtpotential der Welt 1998 etwa 350 Milliarden Tonnen. Davon entfallen etwa 18 Milliarden Tonnen auf Zentralasien, den "Kaspischen Raum". Das sind etwa fünf Prozent der Weltreserven an Erdöl. Wenn das richtig ist, dürften die Erdölvorkommen in Afghanistan weit weniger als ein Prozent der Weltreserven ausmachen. Die Erdgasreserven im Kaspischen Raum werden auf zirka 24 Billionen Kubikmeter geschätzt. Damit sind sie etwa doppelt so groß wie das Potential der Nordsee, stehen aber deutlich hinter dem Nahen Osten zurück (78 Billionen Kubikmeter Erdgas). Da eine Milliarde Tonnen Erdöl etwa den gleichen Brennwert hat wie eine Billion Kubikmeter Erdgas, sind die kaspischen Öl- und Gasvorkommen zusammengenommen etwa ein Fünftel so groß wie die im Nahen Osten. Allerdings lagert ein erheblicher Teil des Öls in Kasachstan, weit weg von möglichen Nutzern und vor allem nicht am Meer. Das meiste Gas wiederum liegt mitten in Turkmenistan, also nicht einmal am Kaspischen (Binnen-)Meer. Öl und Gas müssen demnach per Pipelines transportiert werden, am besten zum Indischen Ozean. Und hier kommen Afghanistan und Pakistan als Transitländer ins Spiel. Die kalifornische Erdölgesellschaft Unocal verfolgte schon seit Jahren Pläne, das Öl aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens per Pipeline durch Afghanistan und Pakistan an den Ozean zu transportieren. Und es war gewiss kein Zufall, dass im Juni 2001 der aus Afghanistan stammende US-Wissenschaftler Zalmay Khalilzad in Bushs Nationalem Sicherheitsrat die Verantwortung für die Region übernommen hat. Khalilzad war früher für Unocal tätig gewesen. Es macht also durchaus Sinn, US-Militärstützpunkte in und um Afghanistan herum zu errichten - die USA stellen sich auf einen langen Verbleib ein. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, auf den der Asien-Experte Karl Grobe in einem FR-Hintergrundartikel im Dezember aufmerksam machte: Der US-Sieg über die Taliban war gleichzeitig auch ein Sieg über die Taliban-freundliche Opposition in Saudi-Arabien, die seit langem gegen das Königshaus zu Felde zieht, das den Islam verraten und die nationalen Reichtümer an die USA verkauft hätte. Das Königshaus in Riad sitzt nun fester im Sattel. Immerhin sitzt es außerdem auf 25 Prozent aller Erdöl-Vorräte der Welt.



    Der Text ist erheblich länger und befässt sich etwas mehr mit dem Thema Afghasnistan, deshalb habe ich nur den letzten Absatz genommen, dieser ist allerdings Aussagekräftig genung.

    Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

  • Mal was zum Thema Öl!


    Weiterhin regeln mehrere Abkommen Kooperationen in den Bereichen Energie und Wirtschaft. Zukünftig wollen Iran und Venezuela besonders bei der Erdölförderung, der Flugzeug- und Automobilproduktion sowie der Zementproduktion zusammenarbeiten. Nebenbei sprachen sich Ahmadinedschad und Chavez auch für eine Senkung der Fördermengen der Opec-Staaten aus. Beobachter halten diesen neuen Schulterschluss zwischen Venezuela und Iran für sehr bedeutsam. Beide Länder gehören der Opec an und beide Länder verbindet der gemeinsame Hass auf die USA. Neben einer größeren Macht innerhalb der Opec könnte dieses neue Bündnis auch Einfluss auf die Preise anderer Rohstoffe ausüben.


    Der geplante Fonds zur Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt richtet sich insbesondere an afrikanische Staaten. Gerade auf dem afrikanischen Kontinent finden sich große Rohstoffvorkommen: Neben Diamanten und Gold verfügt Afrika auch über Uran. Auch wenn Iran und Venezuela mit ihrem Dritte-Welt-Fonds nicht sofort und unmittelbar Erfolg haben, so zeigt diese neue Allianz doch eines ganz klar: Die Rivalen von USA, Europa und China um die Vorherrschaft auf dem internationalen Parkett organisieren sich. Das gemeinsame Statement für eine Angebotsverknappung im Rahmen der Opec zeigt, welche Macht beide Staaten innerhalb des Kartells beanspruchen. Die USA erhalten noch immer rund fünfzehn Prozent des importierten Erdöls aus Venezuela. Es scheint, als hätte der Iran in diesem neuen Bündnis eine weitere Trumpfkarte im Konflikt mit den USA gezogen.


    Eine kriegerische Intervention gegen Teheran scheint nunmehr für die USA fast unmöglich zu sein. In jedem Fall würde ein Erdöl-Lieferstopp Venezuelas an die Vereinigten Staaten zu stark steigenden Ölpreisen führen. Sorgten Konflikte im Nahen Osten in der Vergangenheit für steigende Ölpreise, so sollten sich ähnliche Probleme künftig sogar noch deutlicher auswirken. Im Erdöl haben Venezuela und Iran ein erstes ernstzunehmendes Druckmittel gefunden - für den Weltmarktpreis für Erdöl kann dieses Bündnis langfristig nur eine weitere Verteuerung bedeuten.



    Ich hinterlege deinen Link auch mal in deutsch. http://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen

    Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

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  • ...Der Riese wird gedopt


    Schon einmal rutschte erst Amerika und dann die übrige Welt in eine tiefe Krise. Sie wurde "Die Große Depression" genannt, weil sie zehn Jahre dauerte und den USA Massenarbeitslosigkeit und Hungertote brachte. Die Wirtschaftskraft des Landes sank um rund ein Drittel. Der Krisenvirus wütete schließlich überall im Westen. In Deutschland waren auf dem Höhepunkt der Fieberkurve sechs Millionen Menschen arbeitslos.


    Die heutigen Investoren leben in einem Zwiespalt, um den sie nicht zu beneiden sind. Sie sehen die relative Schwäche der US-Ökonomie und registrieren die tektonische Verschiebung in der Weltwirtschaft. Sie wissen, dass mit großem statistischem Aufwand versucht wird, den amerikanischen Traum in die Zukunft zu verlängern. So melden die Regierungsstatistiker seit längerem sensationelle Produktivitätserfolge der US-Ökonomie, die seltsamerweise seit Jahren zu keiner Lohnerhöhung führen. Das allerdings ist mehr als merkwürdig: Entweder kassiert die Kapitalseite die Früchte der gestiegenen Produktivität ganz alleine, was selbst im Kernland des Kapitalismus ein Politikum wäre. Oder es gibt diese Produktivitätsfortschritte nur in der Statistik, wofür vieles spricht.


    Die halbe Welt staunt über die niedrige Arbeitslosigkeit in den USA. Die andere Hälfte der Welt weiß, dass diese Statistik keine amtliche Statistik ist, sondern das Ergebnis einer freiwilligen Telefonumfrage. Viele derer, die sich als Beschäftigte ausgeben, sind Handlanger und Tagelöhner. Wer auch nur eine Stunde pro Woche arbeitet, wird als "Beschäftigter" geführt. Da es als unsozial gilt, sich arbeitslos zu bekennen, sagt die amerikanische Statistik womöglich mehr über die geltenden Normen der amerikanischen Gesellschaft als über ihre tatsächliche Verfassung.
    Auch den hohen Wachstumsraten der Vereinigten Staaten ist nicht so ohne weiteres zu trauen. Sie sind auch eine Folge der hohen privaten und staatlichen Schuldenaufnahme. Sie zeigen keineswegs einen aus eigener Kraft gesteigerten Ausstoß an heimischen Waren und Dienstleistungen, erinnern vielmehr an die Verkaufserfolge von Asiaten und Europäern. Allein die Neuverschuldung der Regierung war 2001 für ein Drittel des Wirtschaftswachstums verantwortlich, 2003 für ein Viertel. Der Wirtschaftsriese USA wird gedopt, damit sein Leistungsabfall nicht so auffällt.

    Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

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