Die politische Macht des Geldbeutels und des Wahlzettels

  • Neulich gab es bei SpOn einen interessanten Artikel zu lesen, der sich mit der Frage beschäftigte, ob "die Mittelschicht" zum Opferlamm tauge. Zugespitzt formuliert und zusammengefasst von mir; nachzulesen ist der Artikel hier. Was dieser Artikel postuliert, aber mit keiner Silbe erwähnt ist, was Sozialwissenschaftler und Ökonomen schon länger beobachten. Ein prominenter Name in diesem Zusammenhang ist Mancur Olson, der in seiner "Logik des kollektiven Handelns" genau solche Probleme aufzeigte, wie sie im SpOn-Artikel genannt werden.
    Die überwiegende Mehrheit der IDIOTs zählt zu eben jener Mittelschicht. Wir alle sind Opferlämmer. "Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Lamm über die nächste Mahlzeit abstimmen." Nicht von Benjamin Franklin, aber absolut richtig. Im Falle der Mittelschicht scheint nun also ein Lamm zu glauben, ein Wolf zu sein. Mit Erfolg greifen PR, Marketing und Werbung die Ängste und Irrungen der Mittelschicht auf und erzeugen Entscheidungsdruck sowie Konsum-Zwang. Ganz wesentlich für Jedermann ist dabei natürlich das überall verbreitete Statusdenken. Mit Hilfe der Abgrenzung und eines unbewussten Phänomens namens "kognitiver Dissonanz" gelingt es der Mittelschicht, konsequent die falschen oder zumindest "nicht richtigen" Entscheidungen zu treffen. Obwohl vielfach das nötige Wissen bereitsteht, handeln Menschen gegen die Vernunft. Beispielsweise leuchtet es ein, "Öko"-Produkte nicht bei Aldi oder Lidl zu kaufen- wieviel Öko steckt denn drin, wenn es quer durch Europa gekarrt werden muss, um so billig zu sein?
    Ich erinnere an die BILD-Anti-Hartz4-Kampagne Anfang des Jahres, in der auf teilweise übelste Weise die Würde der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, angegriffen wurde. Man ist Mittelschicht, also sind es die faulen Schweine, die unser schönes Land kaputt machen. Für Andere sind es die Ausländer- allen Gruppen gleich dienen oft Begriffe zur Beschreibung, die dem Vokabular des Kammerjägers entliehen sind. "Ungeziefer" muss ausgerottet werden, "Schmarotzer", die den Zecken gleich den hageren Körper des bürgerlichen Wohlstands mehr und mehr auszehren- erinnert frappierend an was? Richtig: das Dritte Reich!- Und genau jene sind es, die die meisten Kinder bekommen! Wo man doch weiß, dass Sozialhilfe-Karrieren quasi genetisch weitervererbt werden.
    Wir alle sind Opferlämmer. In unserem Alltag steckt es. Was denkt ihr darüber?

  • .....Ich erinnere an die BILD-Anti-Hartz4-Kampagne Anfang des Jahres, in der auf teilweise übelste Weise die Würde der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, angegriffen wurde. Man ist Mittelschicht, also sind es die faulen Schweine, die unser schönes Land kaputt machen. Für Andere sind es die Ausländer- allen Gruppen gleich dienen oft Begriffe zur Beschreibung, die dem Vokabular des Kammerjägers entliehen sind. "Ungeziefer" muss ausgerottet werden, "Schmarotzer", die den Zecken gleich den hageren Körper des bürgerlichen Wohlstands mehr und mehr auszehren- erinnert frappierend an was? Richtig: das Dritte Reich!- Und genau jene sind es, die die meisten Kinder bekommen! Wo man doch weiß, dass Sozialhilfe-Karrieren quasi genetisch weitervererbt werden.....



    Weil wir das Thema vor kurzem hatten. Die Meinung vieler kommt nicht aus dem nichts. Es gibt sie tatsächlich. Genau diese Minderheit sorgt für den schlechten ruf. Schau dir mal ein paar dumme Talkshows an dann weißt du was ich meine. Es gibt leider genug Leute in diesem Land die zum verrecken nicht arbeiten wollen. Sie begnügen sich mit der Leistung vom Amt und haben sich damit arrangiert. Man kann zwar kein Luxus erwarten (also normale Dinge Kino, Essen gehen usw.), aber man kann davon leben ohne eine Gegenleistung. Das System wird ausgenutzt und nebenbei noch etwas gepfuscht für den „Luxus“ Manche haben zum Schluss mehr Geld in der Tasche als „normale“ Arbeiter. Mich macht das wütend.


    Neben Leuten die absolut nicht arbeiten wollen, kenne ich aber auch Menschen die für etwas mehr als den Hartz 4 Satz auf Arbeit gehen. Schaue dir mal Arzthelfe / rinnen, Frisösen und weitere Berufsgruppen an. Die Gehälter sind unterirdisch. Trotzdem gehen sie auf Arbeit und haben kaum mehr. Ich finde das nicht gerecht.


    Das auftreten von Westerwelle und co. war alles andere als gut. Der Mann hat aber mit der Aussage „Arbeit muss sich lohnen“ recht. Genau das denken viele Menschen in unserem Land.


    Damit möchte ich auf keinen Fall alle über einen Kamm scheren. Ganz sicher nicht. Viele sind auf Hilfe angewiesen. Sie sollen sie auch bekommen. Nur würde ich aber Kontrollen verstärken um „Schmarotzer“ zu entlarven. Auf der anderen Seite kann es aber auch nicht sein, das unsere Regierung Jobs bzw. Stundenlöhne zulässt die unter dem Hartz4 Satz liegen.


    Ganz abgesehen davon waren die geschaffenen 400€ Jobs das dümmste was sie machen konnten. (Meine Meinung)

  • Aber ist es nicht so, dass diese "Schmarotzer" (über die sich sicherlich jeder aufregt) eine absolute Minderheit sind?


    Ich kann mich darüber garnicht ärgern. Denn der größteil derer, die auf diese Hilfe angewiesen sind wollen es nicht!


    Klar sehen wir nur die, die es so wollen (in talkshows) und hören nur, dass es ja ach so viele sind (politik) aber in wirklichkeit ist es nichtmal jeder zwanzigste der wirklich ein "Sozialschmarotzer" ist.


    Und ja, es sollte nicht sein, dass man arbeiten geht, und das gleiche bekommt wie wenn man garnicht arbeitet, aber selbst das machen viele lieber, da sie nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sein wollen.



    Trotz alle dem gibt es viele, die nicht anderst können weil sie nichts neues finden, weil sie nicht 300km umziehen wollen nur um dann an einem "sauberen" Hungertuch nagen zu müssen.

  • Apple ich stehe gerade selbst vor der Entscheidung das vielleicht zu müssen. Notfalls muss ich eben erstma umziehen um Arbeit zu haben. Sollte es soweit kommen werde ich mich wie damals deutschlandweit bewerben. Dann hat man eben eine Fernbeziehung. Ich sage nicht das dies toll und super ist. Aber es kann einfach nicht sein das die Allgemeinheit mich bezahlen muss nur weil ich im Umkreis meiner Wohnung keinen Job bekomme und in 200km weiter eine Stelle frei ist. Dieses denken ist Luxus und kann sich kaum einer leisten. Es gibt Tausende Mütter und Familienväter die auf Montage sind. So ziemlich 50% oder sogar mehr aller Handwerker in Deutschland als Beispiel!

  • Da ich selbst in einer Branche arbeite in der dies so oder so üblich ist, bin ich Persönlich so oder so nicht absolut gegen das "umziehen müssen"


    Aber ich kann Familien verstehen die das nicht wollen oder auch nicht können.


    Ob jetzt wegen dem Partner oder wegen den Kindern? Eltern in Pflege? Es gibt sicherlich genug Gründe warum einige nicht umziehen können, bzw. ein sehr starkes Argument gegen einen Umzug vorhanden ist.


    Und sagen wir mal es geht nicht um 200 oder 300 sondern um 600-700km

  • Verstehe ich vollkommen. Mir persönlich gefällt das auch nicht. Ich wollte aber deutlich machen, wieso Meinungen wie oben von Cali beschrieben entstehen. Diese sind eben auch nachvollziehbar zu einem Gewissen teil.


    Aber es gibt eben auch Paare ohne Kinder oder sogar Singles die von einem Umzug absolut nix halten. Dazu sind diese dann meist auch noch recht Jung. Spätestens dann fehlt mir auch das Verständnis, wenn ich sehe das ältere Menschen auf Montage fahren um ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen und mit ihren Steuergeldern dann das ganze noch finanzieren.


    Und eine Bildzeitung macht aus genau so einem Gedankengang eine reiserische Story und stellt eben alle auf eine Ebene. Das ist ebenfalls Falsch.


    Daher ---- Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte!


  • Und sagen wir mal es geht nicht um 200 oder 300 sondern um 600-700km


    Musst du mal den Lord fragen. Der ist sogar oft paar tausend Kilometer weit wech und oft selbst am Wochenende nicht zuhause.
    So ziemlich alle meine Kumpels aus der alten Heimat sind jetzt in ganz Deutschland verteilt und müssen sich mit Fernbeziehungen zufrieden geben.
    Von Hamburg bis in die Alpen ist alles dabei. Kenne auch Paare die getrennt sind obwohl beide umziehen mussten. Sie in Frankfurt, er in München.

  • Ich wollte keine Diskussion über Schmarotzer lostreten, sondern darüber, wie wenig die sogenannte Mittelschicht über ihre eigene politische Macht (auch nutzbar mit dem Geldbeutel) weiß. Wie manipulierbar sie ist.


    Trotzdem noch eine Kleinigkeit zu Hart4: WENN jemand so wenig Geld verdient, dass er kaum mehr Kohle hat als ein ALG-II-Empfänger, dann hat er Ansprüche auf verschiedene Leistungen (Aufstockung über Hatz-4, Wohngeld etc.). Wenn er/sie diese nicht in Anspruch nimmt, hat er/sie nicht das Recht, über ALG-II-Empfänger zu meckern. Basta. Übrigens wird oft die Mär vom Kindergeld erzählt: Hart-4-Eltern bekommen das Kindergeld nicht einfach oben drauf, es wird angerechnet und abgezogen!


    Zurück zum Thema: mir ist noch ein literarisches Beispiel eingefallen, das die Mechanik des Feindbildes wunderbar bebildert: 1984! Dort gibt es doch drei Machtblöcke, von denen immer mindestens einer DER FEIND ist, das Böse schlechthin; dieses Feindbild ist die Rechtfertigung für alle Maßnahmen der Regierung.